Internationale Multimedia-Ethik

Medienethische Fragen

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Warum eine Internationale Multimedia-Ethik?

Noch vor ungefähr 15 Jahren waren Radio und Fernsehen die schnellsten Medien.  Seit die Zeitungsverleger, Fernseh- und Radiostationen sowie Telekommunikations-Anbieter  Nachrichten online verbreiten, haben die Kanäle Radio und Fernsehen das Privileg der Schnelligkeit verloren.

Journalisten stellen Meldungen innerhalb weniger Minuten online und können sie fortlaufend aktualisieren. Sie nutzen dabei auch klassische Web 2.0-Anwendungen wie Twitter, die dafür geschaffen sind, Nachrichtenschnipsel rasch zu verbreiten. News-Generatoren sorgen für die schnelle und lückenlose Streuung der Nachrichten. Und zwar weltweit. Automatisierte Suchmaschinen garantieren, dass alles Publizierte für immer zugänglich ist und unterscheiden nicht zwischen solide recherchierten Meldungen und Falschinformationen.

Schon immer war im Journalismus Schnelligkeit gefragt. Sie sichert Vorteile im Konkurrenzkampf. Der Konkurrenzkampf ist heute noch grösser geworden, Schnelligkeit noch wichtiger. Nachrichten-Anbieter konkurrenzieren mit einer unüberschaubaren Vielfalt von Konkurrenten. Das Publikum ist in unzählige Gruppen aufgesplittert und muss auf viel mehr Kanälen als früher erreicht werden. Der Druck auf die Journalisten steigt in der Folge, sie müssen mehr Kanäle schneller bedienen. Qualitätssicherung und ethische Richtlinien können rasch unter Druck geraten.

Meldungen verbreiten sich online unglaublich schnell und sind international abrufbar. Dieser grosse Geschwindigkeits- und Verbreitungsvorteil kann sich dramatisch in einen Nachteil verwandeln. Nämlich dann, wenn es sich um Falschmeldungen und Propaganda handelt. Konflikte politischer, religiöser und weltanschaulicher Art zwischen verschiedenen Kulturen entstehen im Internet schneller  als in herkömmlichen  Medien. Nichts ist mächtiger als die virale Verbreitung von Nachrichten. Welche Nachrichten sich viral tatsächlich immens verbreiten, ist für die Medienproduzenten nicht voraussagbar.

Wegen der Eigenheiten der multimedialen Medienproduktion und Medienverbreitung braucht es eine angepasste journalistische Ethik. Diese Multimedia-Ethik baut selbstverständlich auf  bestehenden Richt- und Leitlinien auf. Der Ethik-Kodex für Multimediajournalismus geht jedoch stärker auf die Eigenheiten der aktuellen multimedialen Medienproduktion ein. Vor allem soll er helfen, unter Zeitdruck ethische Entscheidungen zu fällen sowie ethischen Fragen zu klären – oder sie zumindest zu stellen.

Geschrieben von Jan Derrer

09/12/2009 um 17:29

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